Aleksandar Jovanovic (c) Dominique Willnauer

The German International

Schauspieler Aleksandar Jovanovic im Interview

 

Der Mann macht gerade richtig Karriere. Vor allem eine, die auch international durch die Decke gehen könnte. Nachdem Aleksandar Jovanovic (45) schon seit Jahren in allen möglichen TV-Produktionen sein Können beweisen durfte, konnte sich der nicht nur für seine Schurkenrollen bei Insidern bestens bekannte Charakterkopf in letzter Zeit auch jenseits der deutschen Fernsehlandschaft mit dem Period-Drama Close To The Enemy (als Deutschlandpremiere auf dem SERIENCAMP zu sehen) oder der sechsteiligen Boxer-Tragödie Tempel (nominiert als Beste Serie beim Deutschen Fernsehpreis 2017) einen äußerst klangvollen Namen erspielen. Selbst im Kino schlägt der seit seiner Rolle in Fatih Akins Spielfilmdebüt Kurz und schmerzlos filmgestählte Jovanovic immer größer auf. Zuletzt stand der gebürtige Baden-Württemberger sogar neben den großen “Sirs” Anthony Hopkins und Ben Kingsley im Action-Thriller Collide vor der Kamera. Wo soll das nur hinführen? Vielleicht im nächsten Jahr mit dem ersten deutschen Amazon Original You Are Wanted  endgültig über den großen Teich? Wir haben da im Rahmen des SERIENCAMP 2016 lieber mal direkt bei Aleksandar Jovanovic nachgefragt, ehe der Mann noch nach Los Angeles umzieht und sein Terminplan in Deutschland nur noch Auftritte bei Markus Lanz erlaubt. Man weiß ja nie.

Aleksandar Jovanovic

Hi, Aleksandar. Schön, dass Du hier bist. Nicht nur wir freuen uns natürlich, dass Du es zur zweiten Season des SERIENCAMP ins leider ziemlich verregnete München geschafft hast.

So ein Wetter kann ja eigentlich für eine solche Veranstaltung nur gut sein. Die Leute hier sollen schließlich Serien und nicht Sonne kucken, oder? Wenn man wie ich aus dem Norden der Republik angereist kommt und so durch die Stadt schlendert, macht das auch nach all den Jahren selbst unter solchen Bedingungen immer noch viel her mit seiner ganz eigenen Atmosphäre. Ich kenn das auch aus Hamburg und Berlin. Für alle Hamburger ist zum Beispiel alles unterhalb der Elbe schon Italien.

Herumgekommen bist Du ja bereits sehr früh in deinem Leben, wenn man auf deine Biografie blickt: Im beschaulichen Rottweil geboren, als Teenager nach Hamburg zum Schauspiel-Studium und über Umwege wie einen Job als Tänzer in Bochum bei Starlight Express zu einem vielbeschäftigten Seriendarsteller des Deutschen Fernsehens. Heute drehst Du auch international mit Größen wie Sir Anthony Hopkins oder Alfred Molina.

Ein ganz schöner Weg, wenn man sich das so im Zeitraffer anhört (lacht). Gerade als Schauspieler muss man schon ein Stück weit dafür geschaffen sein, viel unterwegs zu sein und sich trotzdem den Blick für Unterschiede und Details zu bewahren. Das gilt für Städte genauso wie für Menschen. So bleibt man offen für Neues und kann das auch in die eigene Arbeit kreativ einfließen lassen. Man darf letztlich nie glauben, alles schon gesehen zu haben, denn selbst Städte wie München verändern sich ja laufend.

Was man auch schön am Standort des SERIENCAMP erkennen kann, das in der HFF München und damit in unmittelbarer Nähe zu den drei Pinakotheken stattfindet.

Ja, das ist wirklich eine schöne Konstellation. Hier die Kunst mit ihren altehrwürdigen Prachtbauten und gleich daneben die Filmhochschule mit dem SERIENCAMP. Das zeigt schon irgendwie, welchen Weg die Serie auch als Kulturgut gegangen ist. Ich find das auch ganz schön, dass das hier in München ist und nicht in Berlin.

Offen für Neues zu sein ist auch ein gutes Stichwort. Dass eine Veranstaltung wie das SERIENCAMP nun schon zum zweiten Mal in dieser Größe stattfindet, schien trotz der immer schon hohen Affinität vieler Zuschauer noch vor ein paar Jahren eher unrealistisch. Was denkt da speziell ein Kenner der Szene wie Du, der vom Tatort” bis Alarm für Cobra 11” aus heutiger Sicht schon in den weniger hippen Jahrzehnten der Serie immer nah dran war?

Ich denke, es wurde einfach Zeit für so ein Event. Das Timing stimmt einfach, uns richtig den Serien in allen Facetten zu stellen, sie anders betrachten und ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie ja im Bewusstsein vieler Zuschauer immer schon hatten. Ich war jetzt gerade erst in England und hatte ein paar Meetings mit Produzenten, die mir durch die Bank alle gesagt haben, dass sie keine Regisseure mehr für ihre Filme finden, weil alle jetzt Serien drehen wollen. So groß ist das das ganze Seriending also mittlerweile auch in allen Bereichen der Filmproduktion.

Wie ist es eigentlich speziell für dich, diese Entwicklung zu beobachten? Serien haben ja die letzten 20 Jahre deiner Karriere sehr stark geprägt und gerade die deutsche Serie hatte sehr lange und teilweise noch heute mit einem schlechten Image als nicht innovatives Formatfernsehen zu kämpfen. Merkst du auch in deiner Arbeit oder bei Kollegen in Deutschland, dass sich da etwas dreht?

Massiv. Also was ich früher erlebt habe, lässt sich mit heute kaum noch vergleichen. Angefangen von den TNT-Produktionen bis hin zu ZDFNeo, die da richtig dahinter sind, auch andere Wege auszuprobieren, passiert da eine ganze Menge. Ich hatte zum Beispiel das große Glück, auch bei „Tempel” von ZDF Neo dabei zu sein. Am meisten merkt man den Umschwung an der Bereitschaft, zwar noch linear zu erzählen, aber sich selbst in der Produktion und dann auch das Publikum mit dem Ergebnis zu überraschen. Dass es dabei auch Reibungspunkte gibt und nicht jede Idee so ausgelebt und letztlich ausgeführt werden kann, wie man sich das vorher im Writers Room oder am Set vorstellt, ist zwar normal. Aber ich erlebe es gerade immer öfter, dass auch ganz spontan völlig andere Dinge ausprobiert werden, obwohl wir ein alteingesessenes Serienland mit sehr festen Traditionen auch an der Stelle sind. Ich denke - oder bilde mir zumindest ein -, dass es gerade so eine Art Neo-Renaissance gibt, in der einfach mehr möglich ist als früher und es wichtig ist, diesen Schwung weiter mitzunehmen, damit wir auch in Deutschland noch mehr tolle Serien bekommen. Neues und altes vereint; genau das finde ich extrem spannend.

Es scheint speziell in Deutschland noch die große Liebe zu festen Formaten wie der Vorabendserie zu geben, von der man sich auch als Nicht-Kenner - ob nun zu recht oder unrecht - sehr festgefahrene Vorstellung macht. Wenn du von einer Neo-Renaissance sprichst, wie war es denn dann früher, also zum Beispiel in den 90ern? Sind das alles nur Klischees, die sich heutige Serienkenner erzählen?

(schmunzelt) Da würde mich sofort interessieren, welche Klischees das denn genau sind, die Du meinst?

Jetzt hast Du mich erwischt. Also man sagt doch immer im heutigen goldenen Zeitalter des Quality TV, man hätte früher nur für die Masse gedreht und wäre kein Risiko eingegangen. Stimmt das etwa nicht?

Ich will dazu vor allem mal eines ganz klar sagen: In den 90er gab es definitiv viel mehr Geld. Also um mal die oft verteufelten 90er in Schutz zu nehmen. Da wurde echt eine Menge Geld verbraten. Natürlich auch an manchen falschen Stellen, aber es war eine gute Zeit, weil viel möglich war. Ob das inhaltlich immer optimal genutzt wurde, will ich ja nicht behaupten. Aber es gab eben aufgrund der finanziellen Mittel ganz andere Möglichkeiten und auch davor wurden schließlich schon tolle Serien wie „Kir Royal“ gedreht, die heute noch als Vorbilder und Klassiker gelten.

Womit wir eigentlich wieder bei München wären, wenn man an Kir Royal“ oder „Monaco Franze“ denkt.

Das ist eben einfach deutsche Geschichte durch und durch. Inhaltlich sowieso, aber eben auch bezogen auf die deutsche Serie insgesamt. Das sollte keiner vergessen.

Wobei gerade die beiden genannten All-Time-Classics so kurz und mit extrem wenigen Folgen gelaufen sind. Fast so eine Art Vorläufer mancher BBC-Miniserie.

Heute würde man aus „Kir Royal“ oder „Monaco Franze“ wahrscheinlich locker sechs Staffeln machen und beide Serien damit wahrscheinlich zu Tode reiten (lacht). Aber um noch auf das Thema 90er zurückzukommen. Ich glaube, man muss einfach wissen, wofür man eine Serie macht. Es gibt eben Serien oder Rollen, da macht man es, weil man unbedingt mit einem bestimmten Regisseur oder Kollegen zusammenarbeiten will oder weil man ganz profan seine Rechnungen zahlen muss. Ich denke, dass es in den 90ern sowie auch davor und danach letztlich immer vom Individuum abhängt, warum er oder sie etwas macht oder nicht. Auch heute gibt es Serien, die nicht innovativ sind. Genauso wie es früher eben schon richtig gute gegeben hat, an die sich nicht mehr viele erinnern. Aber es zeigt sich durch die Möglichkeiten, die wir jetzt haben, beispielsweise deutlich mehr vielschichtige Figuren in Serien zu entwickeln, dass man eine ganz andere Qualität schon beim Schreiben einbringen kann. Das gilt dann auch für mehr Produktionen als es früher der Fall war.

Teilst Du dann die Meinung, dass sich die deutsche Serie verstärkt auch mit ausländischen Serien qualitativ messen kann? Der internationale Markt wird schließlich in der Debatte um Qualität nach wie vor sehr von amerikanischen, britischen und skandinavischen Serien dominiert. Glaubst Du, deutsche Serien oder Sender könnten einmal eine ähnliche Stellung einnehmen wie HBO oder die BBC?

Sagen wir es mal so: Dirk Nowitzki spielt auch in der NBA. Und wenn ein Deutscher in der absoluten Oberliga des Basketballs unterwegs ist, warum sollten dann nicht auch deutsche Serien im US-Markt erfolgreich Fuß fassen. Ich denke einfach, es ist alles möglich in der Hinsicht. Klar gibt es noch viele Vorurteile und Altlasten, von denen Du vorhin gesprochen hast, aber das kann sich ganz schnell drehen, wenn die richtige Serie zur richtigen Zeit einfach einen Nerv trifft. Das kann man natürlich nicht genau planen oder erzwingen, aber für deutsche Serien gibt es wie für Filme natürlich auch einen Weg in die USA.

Close To The Enemy Promotional Shot

Was wir an der Stelle nicht vergessen wollen: Du bist ja vor allem hier beim SERIENCAMP, um die ersten beiden Folgen des Post-War-Dramas Close To The Enemy” vorzustellen, die hier ihre Deutschlandpremiere feiern. Wie kam eigentlich dieses Projekt für dich zustande und wie war es, mit dieser großen Anzahl an Topstars wie August Diehl, Alfred Molina, Angela Bassett oder Alfie Allen zu drehen?

Ich bekam am Anfang einen Anruf von meiner deutschen Agentin, dass eine Produktionsfirma für eine geplante internationale Nachkriegsserie zum Thema Geheimdienste überall in Deutschland Leute casten würde, und hab das dann auch gleich gemacht und mich sofort mit dem Stoff wohl gefühlt. Dann kam bereits zehn Tage später die Einladung zum Kennenlernen mit Stephen Poliakoff in London, der das Projekt als Autor und Regisseur führte. Ich hab dann die Szene nochmal dreimal gespielt und bin dann wieder ganz entspannt nach Hause.

Wie man das so als Profi beim Casting mit einer Größe wie Poliakoff so macht? Wo kann man solche Nerven bestellen?

Zu großen Erwartungsdruck darf man sich da nicht machen. Gerade wenn man mitbekommt, wer sonst noch dabei ist oder dabei sein könnte. Ich dachte auch direkt nach dem Casting mit Poliakoff, dann bring ich mal meiner Tochter von der Reise ein T-Shirt mit und gut is. (lacht) Zwei Tage später kam dann aber die Zusage. Hat mich natürlich extrem gefreut und alles Weitere ging dann recht zügig.

Wie war dann der Dreh und die Atmosphäre am Set?

Große Produktion, die ganzen Stars. Das kann manche schon verunsichern. Mich hat das aber mehr angespornt im positiven Sinne als dass es mich eingeschüchtert hätte. Was aber doch ehrlich gesagt ein bisschen einschüchternd war, waren die Leseproben. Die Amis und Engländer lieben das ja, aber sie machen das dann nicht so à la: da sitzen ein Regisseur, drei Schauspieler und es gibt ein paar Kekse und Kaffee (lacht) und wir halten nach jeder Zeile inne, um darüber eine halbe Stunde zu reden. Sondern da saßen dann alle Executive Producers um einen herum, es gab gleich mehrere Halbkreise mit extrem aufmerksamen Zuhörern. Da ich selbst auf der Schauspielschule nie so ein Fan von Leseproben war, kannst Du dir sicher vorstellen, wie schwierig das am Anfang ist, sich dann darauf einzustellen. Soll man seine Rolle richtig spielen oder doch „nur” lesen? Und dann noch auf Englisch? Das war schon ein kleiner Kulturschock, aber das bekommt man dann auch schnell hin und dann ist es auch bald ganz normal. Ich hatte das erst neulich vor ein paar Wochen wieder für ein BBC-Projekt.

(unterbricht) Über das Du uns noch nichts erzählen darfst?

Doch. Es ging um das diesjährige „Doctor Who Christmas Special”. Man muss als Schauspieler einfach einschätzen können, wie man dann auch in solchen Situationen performt und sich einbringt. Dann profitiert man auch sehr von solchen Leseproben.

Da wir vorhin über die Bedingungen und zumindest einige Vorzüge der aktuellen Serienproduktionslandschaft gesprochen haben, ist die Frage wahrscheinlich erlaubt, ob Du nun lieber für Filme oder Serien vor der Kamera stehst?

Das kann ich dir ganz einfach beantworten. Ich dreh immer lieber gute Rollen und da ist es mir relativ egal, ob die im Kino oder Fernsehen stattfinden.

Die sicherlich beste Antwort, die man auf diese Frage geben kann.

Das ist sogar die einzige Antwort, finde ich, wenn man seinen Beruf liebt und eben auch in der Situation ist, sich Rollen aussuchen zu können und auch mal was nicht zu machen. Wenn man sich zu sehr auf ein Medium oder Format festlegt, bindet man sich zu sehr an Äußerlichkeiten, die ohnehin nicht wirklich wichtig sind. Wenn ich wie bei „Tempel“ zunächst vielleicht als Zuschauer der Meinung bin, der Antagonist wär böse wie ein klassischer Filmschurke, dann entdecke ich nach einiger Zeit in den Episoden viel mehr, was mich reizt und von einer einfachen Charakterzeichnung wegbringt.

Aleksandar Jovanovic @ SERIENCAMP

Vielleicht ist das jetzt für ein Interview zum Thema Serien fast schon eine zu späte Frage, aber kuckst Du eigentlich privat gerne Serien?

Die Frage hätte ich tatsächlich etwas eher erwartet (lacht). Also ich persönlich kucke gern viele Serien, aber immer nur die erste Staffel.

Wirklich? Wie hältst Du das denn aus, wenn dich eine Serie wirklich interessiert? Seriennerds definieren sich ja oft über ihr Spezialwissen aus allen Staffeln und was sie alles gebinget haben, um sich auch von anderen abzugrenzen. Denn wer weiß schon wirklich noch genau bei Serien wie „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“, wann wer genau wo und aus welchem Grund gestorben ist und warum das eigentlich nochmal relevant war.

Das ist dann einfach auch nicht mein Ding. Ich will immer die erste Staffel sehen, weil ich dann die Idee einer Serie sehe, dann schon einen sättigenden Spannungsbogen hatte bis zum Staffelfinale und es einfach zu viel gibt, um an einer Serie so lang hängen zu bleiben. Denn selbst bei richtig tollen linear erzählten Serien kann genau das passieren, was Du gerade angesprochen hast. Und dann wären da noch Familie, Kind, Arbeit, Freizeit. Ich bin schon ein bisschen geizig mit meiner Zeit und will mich daher nicht an zu viele Serien binden.

Natürlich grundsätzlich verständlich, aber kannst Du einem wirklich guten Cliffhanger tatsächlich widerstehen?

Oh ja. Da hilft mir wahrscheinlich auch mein Beruf, weil ich ja weiß, wie Erzählungen genau auf solche Punkte bei einer Serie konzipiert werden und eben dann gerne in der nächsten Staffel bei langfristigen Serien wieder einer aufgebaut werden muss.

Hat es dir eine Serie dann zumindest schwer gemacht, nicht doch weiterzuschauen?

Ok, „House of Cards“. Moment, ich muss mir gerade ganz kurz widersprechen. Eine Serie habe ich tatsächlich über mehrere Staffeln gesehen und das war „Borgen“. Tolle Ästhetik, tolle Protagonistin. Das hat bei mir damals einen Nerv getroffen, der mich doch dranbleiben ließ.

Also doch: Jeder Mensch findet seine Serie oder wird von ihr gefunden?

Naja, die nächste Serie nach „Borgen“ war dann „House of Cards“ und das hat dann erst mal überhaupt nicht für mich funktioniert. Erst nach Jahren des Herumliegens habe ich dann doch nochmal die erste Staffel hervorgeholt und jetzt quäle ich mich seit einigen Wochen damit, ob ich nicht doch die zweite jetzt auch schauen will. Ich bin dann einfach doch schnell gesättigt und brauche nicht mehr von einem Setting. Das ging mir auch zum Beispiel bei „Breaking Bad“ so, obwohl mich da viele Bekannte daraufhin ungläubig angeschaut haben. „Game of Thrones“ habe ich nie angefangen, „The Wire“ die erste Staffel, „Entourage“, auch „Californication“. Also es gab und gibt natürlich viel, was ich gesehen habe, aber eben nicht langfristig, obwohl ich vieles gut finde. Man muss eben Prioritäten setzen. Deshalb hab ich auch meine ganzen Play- und Wunschlisten auf Itunes, Netflix und Amazon komplett gelöscht. Diese Wunschlisten können einem richtig Stress machen, weil jedes Mal beim Reinkucken was Neues dazukommt. Da schau ich lieber was jeweils so am Abend ansteht.

Ein Leben jenseits der Liste also. Was war denn dann die letzte Serienstaffel, die Du gekuckt hast, und was hat dir daran gefallen oder eben nicht?

Das war „Stranger Things“. Hab ich auch komplett gesehen und war von diesem nostalgischen „E.T. auf zehn Stunden“-Ansatz echt sehr angetan.

Das scheint gerade von Netflix eine besondere Strategie zu sein, dass viele Netflix Originale auf bekannte Serien- und  Filmvorlagen zurückgreifen, um dadurch einen Nostalgieeffekt wie bei „Stranger Things“ zu erzielen.

Jeder Anbieter braucht und hat im besten Fall wie ein klassischer Sender seine eigene Identität. Speziell Amazon und Netflix müssen sich als Konkurrenten stark unterscheiden. Zum Beispiel vermeidet Amazon daher ganz strikt bisher historische Stoffe und konzentriert sich stark auf die Gegenwart als Setting.

Auf welche Projekte darf man sich denn bei dir in nächster Zeit freuen, wenn Du dazu überhaupt schon was sagen darfst oder kannst?

Ein bisschen was ausplaudern kann ich schon. Im Februar kommt ein Film, den ich zusammen mit Sienna Miller und Robert Pattinson gedreht habe („The Lost City of Z“, Anmerkung der Redaktion) und im September noch ein Science-Fiction-Film und eben jetzt zu Weihnachten das „Dr. Who Christmas Special”.

Also kann man festhalten: Die Amerika-Karriere läuft?

Ja, die läuft.

Auf eine Sache müssen wir noch kommen, weil das Stichwort auch schon zweimal fiel, nämlich Doctor Who. Hast Du dazu eine Meinung oder sogar einen persönlichen Favoriten?

Auch darauf eine vielleicht ein bisschen fiese Antwort. Die erste Folge „Doctor Who“ hab ich persönlich erst gesehen, nachdem ich das Angebot bekommen habe. Also die zwölfte Staffel habe ich mir so halb angeschaut, sowie die Christmas Specials. Da ist es fast logisch, dass ich den Doktor am besten finde, mit dem ich auch zusammen gespielt hab (Peter Capaldi, Anmerkung der Redaktion). Ganz ehrlich, ich finde das ganze Doctor Who-Format wirklich sehr strange und es erstaunt mich, wie gut das schon seit so vielen Jahren funktioniert. Es hat in meinen Augen was von intelligentem Edeltrash. Die Stories sind mit ihren ganzen Verbindungen und Sprüngen so mega-intelligent geschrieben auf ganz vielen abstrakten Ebenen und dabei zwischendurch ganz seltsam gefilmt und mit einer richtig strangen Ästhetik.

Allein schon, dass es bei einer Science-Fiction-Serie Weihnachtsspecials gibt, spricht ja in der Hinsicht Bände.

Als ich neulich durch Cardiff gelaufen bin, haben mich Passanten im Gespräch gefragt, ob ich als deutscher Tourist hier unterwegs wäre und als ich dann entgegnete, ich würde hier für „Doctor Who“ drehen, klappte denen die Kinnlade komplett runter. Das war dann sehr oft die Reaktion, wenn ich davon erzählt habe. Also die enorme Größe und Bedeutung von Doctor Who“ wurde mir erst beim Drehen so richtig klar. Selbst bei einigen Meetings in London ist das immer sofort aufgefallen, weil es im UK einfach fast jeder kuckt.

Die Deutschen lieben ihren Tatort und die Briten ihren Doctor Who.

Könnte man sicher so sagen. Es gibt halt doch noch Formate, die irgendwie alle vereinen.

Vielleicht ganz zum Schluss nochmal der Bogen zurück zum SERIENCAMP. Welche Serie interessiert dich denn aktuell am meisten?

Ganz klar, „Westworld“. Das ist so ein großartiges Projekt, dass ich das als Zuschauer schon nach den ersten Trailern einfach unbedingt sehen will.

Vielleicht dann auch die zweite Staffel?

Erst mal überhaupt die erste kucken (lacht).

Aleksandar Jovanovic, herzlichen Dank für das Gespräch und den Besuch beim SERIENCAMP.

Interview: Alexander Schlicker

Fotos: Dominique Willnauer, Christian Böhm, Little Island Productions

 

 

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