Sophia Amoroso und Britt Robertson, Girlboss

Wer ist hier der „Girlboss“?

Girls just wanna have fun

Es ist ja wirklich nicht so, dass es im aktuellen Serienzirkus an modernen und oft auch provozierenden Frauenfiguren mangeln würde. Im Gegenteil. Spätestens mit den „Girls“ aus der gleichnamigen HBO-Serie von Lena Dunham, eingeschränkt auch mit Indie-„New Girl“ Zooey Dechanel, mit den „2 Broke Girls“ oder den „Broad City“-Mädels, hat sich im Serienwesen das durchgesetzt, was Chefneurotikerinnen wie „Ally McBeal“ oder Carrie Bradshaw allenfalls angerissen haben: Ein modernes Frauenbild, das statt Heimchen am Herd die selbstbestimmte, oft aber auch selbstvergessene und neurotische junge „Dame“ kultiviert, die sich nimmt, was sie will, obwohl sie oft genug gar nicht genau weiß, was das eigentlich ist.

Girlboss Screenshot Netflix

Sophia Amoruso entspricht diesem Typus perfekt – und darf ihn noch um eine gehörige Portion Kimmy Schmidt auf der einen und „Fleabag“ auf der anderen Seite ergänzen. Sie ist das reale Vorbild für die Sophia aus „Girlboss“, das auf dem autobiografischen Bestseller von Amoruso basiert und eine rags-to-riches-Story mit „Shopaholic“- und „The Devil Wears Prada“-Vibe zu einem nicht immer klischéefreien aber höchst unterhaltsamen und in Sachen Dialogen verdammt expliziten guilty pleasure verschmilzt. Die zwei, die das ganze – produziert u. a. von Charlize Theron – unter anderen zu verantworten haben, wissen aber auch ganz genau, wie das funktioniert: Serienschöpferin und –autorin Kay Cannon hat bereits die Drehbücher zu den ultraerfolgreichen „Pitch Perfect“-Filmen verfasst, Regisseur Christian Ditter hat mit „How To Be Single“eine vergleichsweise freche RomCom-Duftmarke in Hollywood gesetzt und darf hier zusätzlich als Executive Producer fungieren.

Girlboss Screenshot 2 Netflix

Im Mittelpunkt der zunächst 13 Episoden (von denen wir zunächst vier zur Voransicht erhalten haben) steht die 22jährige Sophia (Britt Robertson), der das hippe It-Girl-Leben im San Francisco des Jahres 2006 gerade gehörig auf die Füße zu fallen beginnt: Ihr Apartment steht kurz vor der Zwangsräumung, den Job im Schuhgeschäft hat sie gerade wieder geschmissen, die Kohle reicht hinten und vorne nicht und bevor man Almosen vom reichen Vater („Breaking Bad“-Schwager Dean Norris) annimmt, gräbt man lieber in Mülltonen nach verwertbaren Essensresten, klaut mal eben einen Teppich oder haut einen Second-Hand-Modehändler übers Ohr. Letzteres mit beträchtlichem Erfolg: Denn als sie die für ein paar Dollar erworbene 70er-Jahre-Kalbslederjacke bei ebay einstellt, wird ihr schnell klar, wie viel Geld sich mit Vintage-Mode auch über das Internet verdienen lässt. Die ersten Episoden drehen sich denn auch hauptsächlich um Sophias erste Schritte in ein Geschäftsleben, an dessen Ende – so viel verraten die „Nasty Gal“-Unternehmensgeschichte bzw. Wikipedia – eines der am schnellsten wachsenden US-Unternehmen und der Titel einer der reichsten Selfmade-Unternehmerinnen im FORBES-Magazin standen. Bis dahin ist es zum Glück ein weiter Weg: Und den füllt „Girlboss“ mit flapsigen Sprüchen, romantischen Verwicklungen, schwulen Titus-Andromedon-Gedächtnisnachbarn und mit San Francisco als lustvoll ausgeschlachtetem Ort des Geschehens.

Girlboss Screenshot 3 Netflix

Weil man das – siehe die eingangs geschilderte Serien-DNA – eigentlich schon viel zu oft gesehen hat, dürfte das gar nicht so gut funktionieren, wie es das trotzdem tut. Aber es ist neben dem vergleichsweise hohen Tempo, etlichen inszenatorischen Einfällen und der ungewohnt schmutzigen Sprache (hier macht sich die „Ausstrahlung“ über Netflix bezahlt) vor allem Britt Robertson, die mit der perfekten Mischung aus Jungmädchen-Unschuld à la Kimmy Schmidt, dem kaputtem Neurosen-Chic einer „Fleabag“ und dem Indie-Hipstertum einer Lena Dunham zwischen himmelhochjauchzend und Tränenmeer nicht nur das männliche Publikum im Sturm erobern dürfte. Um die weibliche Zielgruppe wird man sich bei einem Stoff, der Sex, City, Vintage-Mode und Girlpower auf sich vereint, ohnehin wenig Sorgen machen müssen. Hier dürfte bald der Ruf nach einer zweiten Staffel laut werden. Bis zur 2016 erklärten Insolvenz des Unternehmens „Nasty Gal Vintage“ ist es schließlich noch ein weiter Weg...

„Girlboss“, ab dem 21.04. auf Netflix

Text: Christopher Büchele

Fotos: Netflix

 

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