Legion Key Art

LEGION

Einer flog über das Clockwork Orange

Der Bilderrausch, den „Fargo“-Macher Noah Hawley für den Piloten seines neuen Serienprojekts „Legion“ bemüht, ist so dissoziativ und eklektisch wie seine vermeintlich paranoid schizophrene Hauptfigur David Haller. Irgendwo zwischen dem retrofuturistischen Ausstattungswahnsinn eines Stanley Kubrick, den stream-of-consciousness-Bildwelten eines Terrence Malick und dem Neon-Kino eines Nicolas Winding Refn oszilliert der visuelle Referenzrahmen. Und das ist deshalb so bemerkenswert, weil es sich bei „Legion“ eigentlich um eine Superheldenserie handelt, einen Stoff aus den erzählerischen Randgebieten des „X-Men“-Universums, für den sich FOX mit Marvel Television zusammengetan hat. Das ganz offensichtliche Ziel: Auch in diesem Fall die bonbonbunten DC-Welten von The CW („Arrow“, „Flash“) bzw. der „Agents Of S.H.I.E.L.D.“ so zu konterkarieren, wie das Netflix mit seinem „Defenders“-Universum rund um „Daredevil“, „Jessica Jones“, „Luke Cage“ und jetzt „Iron Fist“ getan hat. Kurz: Dem Comic seine Ernsthaftigkeit zurückzugeben.

Legion Still 1

Basierend auf dem Mitte der 80er Jahre von Chris Claremont und Bill Sinkiewicz ersonnenen Charakter des David Haller (Dan Stevens), der seit Kindheitstagen mit paranoid schizophrenen Schüben zu kämpfen hat und sich zu Beginn von „Legion“ mal wieder in der geschlossenen Psychiatrie in Behandlung befindet, wirft Noah Hawley den Zuschauer mitten hinein in den das zersplitterte Innenleben seiner Hauptfigur, die zwischen Realität und Einbildung offenbar nicht zu unterscheiden in der Lage ist. Nur so viel scheint sicher: Mit seinen schizophrenen Schüben ist er eine Gefahr für seine Umwelt, die man mit heftiger Medikamentierung in den Griff zu bekommen versucht. Mehrere übereinander geschichtete und raffiniert miteinander verwobene Erzählstränge künden nicht nur von seinem Vorleben, seinem Anstaltsdasein und der Beziehung zu Mitinsassin Syd Barrett (Rachel Keller), sondern auch vom Hinterher. Denn Davids Gespräche mit seinem Psychiater werden in einer Verhörsituation gespiegelt, im Rahmen derer der Patient Auskunft über einen verheerenden Vorfall rund um Syd und seinen eigenen labilen Geisteszustand zu geben hat. Und zwar unter schwerer Bewachung, die deutlich werden lässt, dass seine paranoide Schizophrenie lediglich Ausdruck ungeheuerlicher Mutantenkräfte ist. Die hat der junge Mann – Kenner der Comicvorlage wissen das eher als die Fernsehzuschauer – von seinem Vater Charles Xavier, der als Professor X in einem größeren „Cinematic Universe“ den X-Men vorsteht. Im Rahmen einer spektakulären Flucht offenbaren erstmals auch Davids Mitstreiter rund um Syd ihre spektakulären Kräfte. Bevor am Ende der Auftaktepisode der Aufbruch in ein neues Leben steht, von dem weder Zuschauer noch Hauptfigur ganz genau wissen, wie viel davon sich lediglich im Kopf des Protagonisten abspielt.

Legion Still 2

Das macht auch den ungeheuren Mut aus, der sich hinter dem Unterfangen „Legion“ verbirgt. Denn Set-Design und Ausstattung lassen vermuten, dass ein ganz erkleckliches Sümmchen in die Produktion der vorerst acht Episoden geflossen ist. Und die können – „X-Men“-Universum hin, Marvel-Hype her – nicht von sich behaupten, es einem Mainstream-orientierten Publikum besonders leicht zu machen. Im Gegenteil: Wer das „Brainchild“ von Hauptfigur David bzw. seinem seriellen Schöpfer Hawley vollauf genießen will, sollte nicht nur einen umfangreichen filmhistorischen Referenzrahmen mitbringen, sondern auch über die Fähigkeit verfügen, sich hineinfallen lassen zu können in ein Universum, in dem auf den ersten Blick nicht alles gleich verstanden werden muss. Im Gegenteil: Die Täuschung hat hier Methode. Und geht einher mit einem Frontalangriff auf alle Sinne, die auch vor musikalischen Großtaten („She's A Rainbow“ von den Stones, Serge Gainsbourgs „Povre Lola“) nicht Halt macht. Sieht so aus, als ob wir uns auf unbestimmte Zeit einweisen lassen werden...

Ab 09.02.2017, 21:00 Uhr auf FOX

Bilder: FOX

Programm 2017

Voraussichtlich ab Sommer 2017 verkünden wir Euch hier erste Serien-Highlights für die dritte SERIENCAMP-Season.

SERIENCAMP Rückblick 2016

Mit päpstlichem Segen in die erfolgreiche zweite Season: Besucherrekorde, Preisträger und was ihr sonst noch zum SERIENCAMP 2016 wissen (und sehen) müsst.

Festival Partner 2016

Wir bedanken uns bei unseren diesjährigen Partnern!

 

WRITERS' ROOM:LAB - Runde 2

WRITERS’ ROOM:LAB für fiktionale Serienentwicklung geht in die zweite Runde! Bewerbung bis 26. Mai 2017 möglich.

Tickets für die Professional Days

Ab April 2017 können Sie hier Ihre vergünstigten Early-Bird-Tickets für die Professional Days 2017 vorbestellen.

Professional Days 2016 Rückblick

Schwerpunkte Themen und Gäste der zweiten Professional Days 2016.