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East Of Westworld

Zur seriellen DNA des neuen HBO-Hits

Bis 2018 und der neuen Staffel von „Westworld“ gilt es, eine Menge Zeit zu überbrücken. Warum also nicht im Rückblick auf die Serien, die prägend für das Serien-Universum des Nolan-Ehepaares gewesen sein dürften? Auch andere Hosts und Gäste führen schließlich hirnverschwurbelte Doppelexistenzen. (ACHTUNG: SPOILER!)

Battlestar Galactica Promotional Shot

Battlestar Galactica (2004 - 2009)

Man müsste schon blind sein, um die Parallelen nicht zu entdecken, die zwischen dem hierzulande weithin unterschätzten seriellen Remake der trashigen 70er-Jahre-Serie und dem seriellen Remake des trashigen 70er-Jahre-Sci-Fi-Streifens bestehen. Hier wie dort geht es um die Konfrontation des Menschen mit seiner eigenen maschinellen Schöpfung. Hier wie dort hat Letztere sich so weit entwickelt, dass sie von ihrem Schöpfer kaum mehr unterscheidbar ist – ja diesen sogar zu überflügeln scheint. Nur dass im Falle von Ronald D. Moores Neuinterpretation des „Battlestar Galactica“-Universums die Schöpfung bereits zum vernichtenden Schlag auf die Schöpfer ausgeholt hat. Auf dem titelgebenden Raumschiff haben sich nun die letzten Reste der Menschheit versammelt, um – von ihrer androiden Dienerrasse verfolgt – eine mythologisch verklärte neue Heimat zu finden: Die Erde. Nun wäre das als Referenz für „Westworld“ nicht weiter von Belang, würde die Grundstruktur dieses Konflikts nicht bis in kleinste Details auf den späteren Serienhit verweisen. Denn ein auserwähltes gutes Dutzend der Cylonen ist rein optisch nicht mehr von den Menschen zu unterscheiden – ja weiß in einigen Fällen wie einige der „Westworld“-Hosts nicht einmal von ihren robotischen Wurzeln. Wie terroristische Schläfer  haben sie die Gegenseite unwissentlich infiltriert, um auf ein Signal hin tätig zu werden. Kommt es dabei zum unvorhergesehenen Tod, wartet auf sie die Möglichkeit, in einen neuen Körper zu reinkarnieren (was ja auch in „Westworld“ zum Grundmuster von Leben und Tod im Park gehört). Womit wir beim Thema „Wiederauferstehung“ und Religion wären: Zwei theologische Modelle stehen in Schöpfung und Schöpfer einander nämlich scheinbar unvereinbar gegenüber: Hier der als rückständig empfundene Polytheismus der Menschen, deren Glauben einer antiken Göttervorstellung folgt. Dort die monotheistische Ausprägung der Cylonen, die ihr Tun mit dem Glauben an nur einen Gott sanktionieren bzw. rechtfertigen. Schließlich die mythologischen Versatzstücke auf der Suche nach der irdischen Prophezeiung auf der einen Seite („BSG“), die (irrationale) Suche nach einem metaphorischen Labyrinth auf der anderen („Westworld“). Und dann wäre da noch die Grundsubstanz, die hüben wie drüben das Rätselraten und damit den Erfolg der Serie(n) am Laufen hielt: Die Ungewissheit darüber, wer denn nun tatsächlich künstlicher Mensch ist und wer nicht. Bis 2009 war „Battlestar Galactica“ in vier Staffeln zu sehen, gefolgt vom „Caprica“-Prequel, das mit der Entstehungsgeschichte der Cylonen fast noch stärker auf das hin verweist, was in diesem Jahr „Westworld“ gewesen ist: Die ultimative (und actionreiche) Neuinterpretation Philip K. Dick’scher Grundsätze mit seiner legendären Frage: „Do Androids Dream Of Electric Sheep?“. Geht in Staffel zwei jemand auf dem „Mainland“ auf Replikantenjagd?

Real Humans

Real Humans (2012 – 2013)

Von 2012 bis 2013 war in Schweden (und unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit auf arte auch in Deutschland) die schwedische Serie „Äkta Männsikor“ zu sehen, deren UK/US-Remake „Humans“ international auf fruchtbareren Boden gefallen sein dürfte. Auch hier geht es im Kern um die Emanzipation der Maschine von ihrem menschlichen Schöpfer, möglich gemacht durch ein Programm, das den vom Menschen kaum mehr unterscheidbaren Maschinen ein eigenes Bewusstsein – eine Seele – gibt. Das freilich ist auch in „Real Humans“ das Grund-Dilemma: Wie Sklaven werden die Maschinen von der Gesellschaft ganz selbstverständlich als Hausdiener, Sexroboter und sogar Jagdbeute (in einer Art Lasertag-Einrichtung mit lebenden Objekten) missbraucht – wie in „Westworld“ werden die vermeintlich unbeseelten Maschinen vergewaltigt, missbraucht und getötet, bevor die finale Auflösung ihnen so etwas wie juristische Anerkennung zuteil werden lässt. Haben wir schon erwähnt, dass der Schöpfer der Programmerweiterung – wie Arnold – bereits nicht mehr unter uns weilt bzw. den Schlüssel zur Befreiung der Roboter mit ins Grab genommen hat, aus dem er sich irgendwann ebenfalls als Android wieder erhebt?

Lost Last Supper

Lost (2004 – 2010)

Natürlich ist auch „Lost“ nicht spurlos an den Nolans – und erst Recht nicht an den beiden Produzenten J. J. Abrams und Bryan Burk, beide ja schon im „Lost“-Universum Zuhause – vorübergegangen. Allerdings sucht man Androiden hier (hoffentlich) vergeblich. Strukturell bzw. dramaturgisch ist die Verwandtschaft schon deutlicher. Nicht nur der Schnitzeljagd durch die verschiedenen Dharma-Stützpunkte wegen, die – zusammen mit der missionarischen Suche von John Locke – schon sehr an Arnolds Labyrinth und den „Man In Black“ denken lassen, sondern vor allem wegen des spielerischen Umgangs mit verschiedenen Zeitlinien. So, wie sich in späteren „Lost“-Staffeln verschiedene Zeitebenen erzählerisch zu überlappen beginnen, funktioniert auch das Zusammenspiel zwischen Gegenwart und Zukunft in „Westworld“. Und dass Letztere sich – so Fantheorien – auf einer Insel befindet (vielleicht ja DER Insel), brauchen wir nicht mehr eigens herauszustreichen, oder?

Westworld

„Westworld“ ist eine Serie, die sich aus dem speist, was das Genre bereits in der jüngeren Vergangenheit erzählerisch nach vorne gebracht hat. Gepaart mit dem Sci-Fi-Verständnis der Nolans (insbesondere „Inception“) und einem filmhistorischen Erbe zwischen Science-Fiction-Klassikern und Western-Ikonografie sowie einem literarisch („Paradise Lost“) bis biblischen Referenzrahmen, macht sie das zum idealen Studien- und Obsessionsobjekt des digitalen Zeitalters, das mit Reddit und Co. etliche ausgestreute interpretatorische Brotkrumen schneller wieder zusammenfügt, als es Spoiler-Phobikern lieb sein kann, Wobei auch das für die Qualität des serienkulturellen Flickenteppichs namens „Westworld“ spricht: Er ist in sich so schlüssig, dass sich etliche der früh entwickelten Fantheorien einfach als wahr herausstellen mussten.

Text: Christopher Büchele

Bilder: HBO, SVT, ABC

 

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Voraussichtlich ab Sommer 2017 verkünden wir Euch hier erste Serien-Highlights für die dritte SERIENCAMP-Season.

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