PV_American Gods_6   2016 Starz Entertainment LLC

American Gods

Die Götter müssen verrückt sein

Nachdem sich Hollywood auf der Suche nach frischen Stoffen im Optionierungswahn der letzten 15 Jahren emsig durch Buchreihen, Comics, Videospiele und sämtliche nur halbwegs adaptierbare Vorlagen wühlte, folgen im immer noch anhaltenden Seriengoldrausch nun eine Handvoll Adaptionen, deren ausladendes Originalmaterial auf Spielfilmlänge wohl nur schwer zu realisieren wäre. Nachdem letztes Jahr Seth Rogen, Evan Goldberg und Sam Catlin auf dem SXSW-Festival in Austin mit Garth Ennis' kultisch verehrtem Schock-Comic „Preacher“ in Serienform vorstellig wurden, folgt dieses Jahr mit „American Gods“ die beinahe logische Fortsetzung. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gaiman, dem gefeierten Erbauer vielschichtiger, mit alter und neuer Mythologie durchzogener fiktiver Welten in Werken wie „Sandman“, „Coraline“ und „Neverwhere“, gibt „American Gods“ in seiner Pilot-Episode einen vielversprechenden ersten Einblick in den hier visuell brillant in Szene gesetzten, schier unerschöpflichen Kreativkosmos des Autors. Der scheint im aktuellen politischen Klima aktueller denn je. Um die Vereinigten Staaten als viel beschworener Schmelztiegel von Kulturen und Identitäten geht es laut Showrunner Bryan Fuller, wenn in der Serienadaption neue und alte Götter zum unsichtbar tobenden Krieg der konkurrierenden Glaubensinhalte gegeneinander ins Feld ziehen lässt.

American Gods Screenshot

Die Grundidee ähnelt der von Gaimans bahnbrechendem Comic „Sandman“, in dem sich die Schicksale personifizierter abstrakter Konzepte wie Tod, Begierde und Traum mit der menschlichen Geschichte verweben. Bei „American Gods“ sind es jahrhundertealte mythische Figuren aus der nordischen und afrikanischen Götterwelt, die sich mit der jungen Konkurrenz wie dem als hippem Silicon Valley-Technikgeek verkörpertem Konzept „Technik“ um die begrenzte Ressource menschlicher Anbetung streiten. Was den Gottheiten ihre Macht verleiht, ist die durch Ritual, Gebet oder anderen Formen konzentrierter Zuwendung zugeteilte Aufmerksamkeit: Alte, vergessene Gottheiten ohne Anhänger werden schwach und gebrechlich, neue Götzen wie die per Smartphone angebetete Technik sind mächtige übernatürliche Wesen.

Dieses Konzept stellt „American Gods“ dann auch gleich in einer blutigen, in seiner gnadenlos überzeichneten Gewalt durchaus auch als augenzwinkernde Parodie auf die explizit brachiale Nordmänner-Serie „Vikings“ zu verstehenden, ersten Szene vor: Ein Trupp Wikinger landet auf dem nordamerikanischen Kontinent, trifft auf schlagkräftige Ureinwohner und will daraufhin die Rückreise antreten. Um jene Windflaute zu beenden, die das verhindert, wird Gott Odin in einem mörderischen Ritual besänftigt. Die Wikinger reisen schwer gezeichnet ab, Odin bleibt auf dem amerikanischen Kontinent zurück.

Einige Jahrhunderte später wird der auf den verheißungsvollen Namen Shadow Moon hörende Sträfling in den Konflikt gezogen. Seine Frau ist wenige Tage vor Shadows Entlassung bei einem Autounfall ums Leben gekommen, Shadows fein säuberlich ausgemalte Pläne einer Rückkehr in die Normalität sind Makulatur. Besonders nachdem er Bekanntschaft mit Mr. Wednesday macht, der Shadow um jeden Preis als Assistenten anzuheuern gedenkt und ihn damit in besagten Götterkrieg zieht.

American Gods Screenshot 2

Mit Bryan Fuller, der sich mit seinen zwischen pastellfarbenem „Wunderbare Welt der Amelie“-Flair, einfallsreicher Fantastik und einem untrüglichen Sinn fürs Skurrile angesiedelten Serien wie „Dead Like Me“, „Wonderfalls“ und „Pushing Daisies“ eine Fangemeinde schuf, hat „American Gods“ scheinbar den perfekten Showrunner gefunden. Sein Auge für spektakuläre, in den besten Fällen unvergessliche Bilder hatte Fuller zuletzt als Schöpfer der Serienkillerserie „Hannibal“ mit Tableaus betörend angerichteter Gewalt bewiesen. In „American Gods“ – mit offensichtlich dickem Budget ausgestattet – entwirft er zusammen mit Regisseur David Slade („30 Days Of Night“) gleich in Episode eins eine Handvoll großartig komponierter Szenen: Die Einführung einer alten afrikanischen Fruchtbarkeitsgöttin oder der erste Auftritt des Technical Boys bleiben unweigerlich im Gedächtnis hängen.

Damit gelingt Fuller in der ersten Episode – maßgeblich unterstützt von Gaimans schillerndem und überbordendem Ausgangsmaterial – ein im Serienfach seltenes Kunststück: Er gibt einen ersten Blick in die Götterwelt frei, der fraglos Lust auf mehr macht, ohne sich zu sehr in die Plot-Karten der kommenden ersten Staffel blicken zu lassen. Mit starker Besetzung – deren ethnische Diversität in dem zwischen Trotzigkeit, Ohnmacht und immer noch lähmender Fassungslosigkeit schwankenden soziopolitischen Klima der Trump-Präsidentschaft als Ausdruck der American-Dream- und Melting-Pot-Mythen besonders betont wird – Gaimans wunderbarer Bestsellervorlage und Fullers Flair für mal augenzwinkernde, mal überzeichnete Exzentrik zeigt sich „American Gods“ in seiner ersten Episode als eine der vielversprechendsten Serien des Jahres, die auch weit über den Kreis der eingeschworenen Gaiman-Fans hinaus ihr Publikum finden wird.

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Text: Gerhard Maier

Fotos: 2016 Starz Entertainment LLC

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