24 Legacy Still

24: Legacy

Ein schweres Erbe

Als „24“ 2001 kurz nach den verheerenden Attacken auf die Twin Towers dazu angetreten war, den Fernsehmarkt durch ein Echtzeitformat zu revolutionieren, da war der Terror als neue Bedrohung des American Way Of Life gerade erst auf der Bildfläche erschienen. Plötzlich war auch auf amerikanischem Boden niemand mehr sicher vor der unsichtbaren Bedrohung, Kiefer Sutherlands Jack Bauer als Mann fürs Grobe eine Vorwegnahme all dessen, was in den Folgejahren an moralischen und ethischen Fragen in Sachen Terrorbekämpfung aufgeworfen wurde. Außerdem nahm man mit Senator (und später Präsident) David Palmer einen afroamerikanischen Mann an der Spitze der USA vorweg. Acht Staffeln lang musste sich der CTU-Agent Bauer Stunde um Stunde selber ein Stück weit radikalisieren, um – auch und vor allem gegen Feinde von Innen und schließlich in schönster Soap-Opera-Manier sogar aus der eigenen Familie – die USA und ihre nicht immer legitime Regierung zu schützen. „Redemption“ als Spin-Off-Film und schließlich „24: Live Another Day“ auf englischem Boden bildeten eine Art Coda auf den Echtzeit-Kanon, an dessen Ende Bauer – Vorsicht Spoiler! – sich freiwillig in die „Obhut“ der Russen begibt (irgendwelche Vorgriffe auf die Ära Trump schließen wir jetzt eher mal aus). Die Geschichte des letztlich ausgebrannten unermüdlichen Weltenretters Bauer schien auserzählt – zumal mit u. a. „Homeland“ andere und realistischere Formate angetreten waren, der Terrorbedrohung eine neue und oft vielschichtigere Heimat zu geben. Sutherland selbst nahm quasi den Posten derer ein, die er einst schützte: Als „Designated Survivor“ wird er nach einer verheerenden Terrorattacke auf das Capitol selbst zum unfreiwilligen Präsidenten, dessen Regierungsbildung im Verlauf der ersten Staffel zunehmend den Gesetzen zu gehorchen begann, die man einst mit „24“ selbst aufgestellt hatte.

Miranda Otto in 24: Legacy

Jetzt also „24: Legacy“ als Neuanfang, der sich überhaupt nicht anfühlt wie einer – und das ist, über 15 Jahre nach Etablierung des Originals, nicht unbedingt als Kompliment zu verstehen. Zu vertraut ist das alles nicht nur strukturell. Denn dass Splitscreens und Countdown zum Format gehören, wie die „erst-schießen-dann-fragen-Mentalität“, wird niemand bezweifeln. Aber wenn auch personell den immer noch gleichen Figurenkonstellationen (mit anderen Gesichtern) gefolgt wird, zusammengehalten von jeglicher Wahrscheinlichkeitstheorie entbehrenden Verstrickungen, dann ist das – gerade vor dem Hintergrund immer komplexer werdender tatsächlicher Terror- und Spionagestrukturen doch ein wenig zu viel des Guten. Als da wären: Ein (immerhin das) endlich mal schwarzer Protagonist namens Eric Carter (Corey Hawkins), der als Teil eines sechsköpfigen Spezialteams in einer Geheimoperation eben erst einen bösen Terrorfürsten ausschalten konnte. Seine fünf Kollegen von denen vier mitsamt ihren Familien gerade erst von einem arabischen Terrorkommando ausgeschaltet wurden, der fünfte als Paranoiker mit brisantem Material (einer Datei, mit der sämtliche terroristische Schläferzellen der USA auf einen Schlag aktiviert werden können) auf der Flucht ist. Eine Ex-CTU-Chefin (Miranda Otto), die sich zur Unterstützung Carters mit Gewalt über ihren möglicherweise doppelgesichtigen Nachfolger hinwegsetzt und innerhalb der CTU auf das übliche Figurenpersonal aus loyalem Hacker und cleverem weiblichen Jungvolk vertrauen darf. Ein aufstrebender Politiker (Jimmy Smits) , der – Zufälle gibt’s – zugleich der Gatte von Ottos Rebecca Ingram ist. Und Carters entfremdeter Bruder, der mit seiner kriminellen Gang ganz offensichtlich einen Hauch von „The Wire“ ins „24“-Universum einbringen soll. So wird ein Personenkarussel aufgefächert, dessen Funktionalität bereits in den ersten knapp 45 Minuten höchst absehbar erscheint. Es wird über den Haufen geschossen, was über den Haufen zu schießen ist und ein Bedrohungsszenario an die Wand geworfen, in dem sogar ein Vertrauenslehrer und seine tschetschenische Schülerin ihr terroristisches Potenzial bald voll ausschöpfen könnten. Inwiefern es in der Ära Trump klug ist, der von Staats wegen verordneten Paranoia vor allem Fremden eine derart simple „Jeder-kann-ein-Terrorist-sein“-Mechanik entgegenzusetzen, ist dabei das eine. Rein dramaturgisch jedenfalls verspricht das Aufwärmen altbekannter „24“-Klischées bislang nichts Gutes. Aber Eric Carter hat ja noch weitere elf Stunden Zeit (offenbar wird es im Rahmen der zwölf Episoden einen Zeitsprung von ebenso vielen Stunden geben), um das Erbe Bauers auch erzählerisch in die Zukunft zu führen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

„24: Legacy“: ab 13. Februar auf Sky1.

Bilder: Sky

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