Pastewka - Staffel 8

Pastewka

Die Rückkehr des Leistenbrechers

Man musste es schon als mittelgroße Überraschung empfinden, als im letzten Jahr bekannt wurde, dass der anhaltende Hunger nach Revivals ehemaliger Kultmarken des (linearen) Fernsehens nach „Dallas“, „X-Files“ oder „Roseanne“ nun auch das von Fans kultisch verehrte „Pastewka“ wieder auferstehen lässt. Mal ehrlich: Wie viele Zaungäste außerhalb beinharter Kenner-Zirkel hätten mit einer Rückkehr gerade dieses Formats gerechnet? Und dann auch noch bei Amazon, das sich zwar mit seiner Hacker-Action „You Are Wanted“ im lokalen Dramafach positionierte, hier allerdings auf ein Konzept ohne fremden Senderstallgeruch und mehr Starpower bauen konnte.

So gaben Bastian Pastewka und Regisseur Tobi Baumann noch im Rahmen des Seriencamps 2017 bei einem Gespräch mit DWDL-Gründer und Serienexperten Thomas Lückerath zu Protokoll, ehrlicherweise selbst von der Wiederauferstehung der Serie überrascht gewesen zu sein. Die Fantasie zum Rebranding hatten dennoch ein paar überzeugte Amazon-Entscheider, denn nachdem Sat.1 die siebte Staffel vor vier Jahren in den Tiefen des eigenen, längst untergegangenen Freitagabend-Programms fast schon tragisch absaufen ließ, lag eine Fortsetzung ähnlich weit entfernt wie eine neuerliche Meisterschaft des 1. FC Köln (dem Club, mit dessen rheinisch-beschwipster Fankultur sich die Serie schon aus Setting-Gründen gleich mehrfach genüsslich herumbalgte).

Seriencamp Conference 2017

Bei genauerer Betrachtung hätte man „Pastewka“ aber eigentlich doch ein solches Comeback durchaus zutrauen oder zumindest wünschen können. Denn seit dem Start 2005 definierte sich die Serie über ihre clever umgesetzte Metafiktion und einen mit vielen Insidern gespickten Humor, der die deutsche Unterhaltungsindustrie deutlich schärfer auf die Schippe nimmt als man es von einer vermeintlich braven Comedy seinerzeit erwartete. Dass Bastian Pastewka in der Serie eine ambivalente Alternativfiktion seiner Selbst zum Besten gibt, sei nur der Vollständigkeit halber nochmal notiert. Offensichtliche Vorbilder wie Larry David, der mit ähnlichem Konzept in „Curb Your Enthusiasm“ den Typus einer schlecht gelaunten, schamlos witzigen Alter-Ego-Figur veredelte und zuvor schon als Miterfinder von „Seinfeld“ Meta-Comedy-Geschichte geschrieben hat, zitiert die Figur Pastewka ebenso offen, wie er sich in jeder Episode als unverbesserlicher Egoist an Sidekicks wie „Nase“ Michael Kessler, Hassfreundin Anke Engelke oder Schunkelschnauzbart Henning von den „Höhnern“ abarbeitet. 

Gerade wenn es um das oft bemühte (und gerne missverstandene) Prädikat der Metaebene und ihrer beispielhaften Funktionalisierung von Künstlichkeit geht, darf sich „Pastewka“ dafür rühmen, die heute vielgepriesenen Spielchen nicht nur aufgrund seiner Hauptfigur schon lange aufgeführt zu haben. Zwar umwehte manche Folgen eine gewisse Bräsigkeit, wie sie das goldene Zeit des Freitagabend-Privatfernsehens mit „Alles Atze“ oder „Ritas Welt“ in viele Wohnstuben brachte, um so das Bild einer eher dünnpfiffigen Deutsch-Comedy zu prägen. Allerdings hielt „Pastewka“ mit unkonventionellen Ideen, mehreren Specials und eben nicht vollkommen verblödeten Einheitsfiguren gerade im Fortlauf der Serie merklich Distanz zu Atze Schröder und Co.

Bastian Pastewka Seriencamp 2017

Typischer Episodenhumor a la „Bastian wird ausgeraubt, hat Ärger mit der Post oder tritt in einen Hundehaufen“ wechselt sich ab mit Situationen, in denen Pastewka fast in einer Tarantino-Produktion landet, sich mit Roger Willemsen ein bizarres Duell um die Vorherrschaft im Nachtprogramm eines Radiosenders liefert oder Til Schweiger mit ungekannter Selbstironie beim gemeinsamen Restaurantbesuch zum dreckigen Sextalk ansetzt. Alles getragen von der Performance des realen Bastian Pastewka, der – gesegnet mit dem vielleicht hintersinnigsten Hundeblick aller Zeiten – seine Mischung aus besserwisserischem Nerd, gewohnheitsliebendem Vollzeitspießer mit frühkindlichem Leistenbruch und von seiner Umwelt gerne mal zurechtgestutzter Promi über die Jahre ähnlich perfektionierte wie es Christoph Maria Herbst mit „seinem“ Stromberg gelang. Dass die Serie Pastewkas lange Zeit eingeschränktes Rollenrepertoire im Comedy-Fach permanent auf die Schippe nimmt, wenn er in der Serie kläglich damit scheitert, ausgerechnet als „Wochenshow“-Tunte Brisko Schneider auch im Alltag komisch zu sein, spricht für die satirische Konsequenz, die man „Pastewka“ neidlos zugestehen muss.

Nun also nach mehreren Jahren doch die Fortsetzung mit Staffel 8, die sich natürlich mehr wie ein Neustart anstatt wie ein Weitertrampeln auf alten Sat.1-Pfaden anfühlen will. Und was soll man sagen: Der Spagat aus „Denk an die alten, aber hol auch neue Fans“ gelingt äußerst gut. Das liegt nicht an der weniger episodischen Erzählweise, sondern vielmehr am Gespür der Macher, nur an einigen inhaltlichen Stellschrauben zu drehen und der Serie vor allem visuell einen zeitgemäßen Look zu verpassen, der den deutlich abgemagerten Pastewka in vielen der unerotischsten Nacktszenen aller Zeiten genauso knackscharf bunt bis episch tiefgründig auszuleuchten weiß wie die komplett haupstadthipsternde Hochzeit seines Bruders. Der Auftakt knüpft an die Vorgänger-Staffel an, in der Annette Frier zum Finale den sich mal wieder zankenden Rivalen Kessler und Pastewka elegant ein Projekt entreißt, um letztlich mit „Frier“ ihren eigenen Meta-Serienhit zu landen und Bastian darin zur Strafe für dessen vorangegangenes Intrigenspiel zum Über-Brisko an ihrer Seite degradiert.

Pastewka Screenshot

Die zehn Episoden lassen Pastewka nun eine waschechte Identitätskrise durchlaufen, indem sie die Figur nach einem eskalierten Missverständnis mit Dauerfreundin Anne aus ihren angestammten Refugien herausreißen und auf eine solitäre Heldenreise samt Wohnmobil schicken. Da in diesem klassisch-selbstfinderischen Männlichkeitsdrama erneut weder mit urkomischen Referenzen (Stichwort „Das Lied von Hals und Nase“) gegeizt wird und sich die Hauptfigur in ihrer unvergleichbar biedermeierlichen Schrulligkeit letztlich angenehm treu bleibt, hat sich die Serie das überwiegend positive Feedback redlich verdient.

Es überwiegt die weise Erkenntnis eines richtigen Schrittes, den die Macher mit Augenmaß durchgezogen haben. Aus „Pastewka“ etwas völlig anderes machen zu wollen, nur weil man nicht mehr im linearen TV läuft, wäre ein ebenso falscher Zug gewesen wie eine weitere von Patina überzogene Staffel bei Sat.1. Da Amazon nach dem ersten Wochenende bereits eine weitere Staffel orderte, kann die wohldosierte Frischzellenkur weitergehen. Darauf zur Feier einen Pinocchio-Eisbecher; mindestens.

„Pastewka -Staffel 8“ steht seit dem 26.01. zum Abruf auf Amazon Prime Video bereit.

Text: Alexander Schlicker

Bilder: Amazon / Christian Hartlmaier

 

 

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