Baron Noir

Baron Noir

Dünkirchen gegen den Rest der Welt

Aktuell scheint es, als läge die Kunst der Politik darin, der Menschheit dabei zu helfen, Probleme möglichst zu verdrängen. Dabei kommt jede Aussage wiederum so flüchtig daher, dass man sich gar nicht mehr wundern kann, warum sich politische Rhetorik nur noch zwischen Extremen bewegt. Dieses Dilemma wird zwar medial diskutiert, fiktional allerdings nur selten adäquat umgesetzt. Seriendauerbrenner wie „House of Cards“ (bald startet Staffel 5 auf Sky) verstehen es zwar meisterlich, diabolische Schurken und ihre Ehefrauen im Weißen Haus ihre Strippen ziehen zu lassen, doch Geheimtipps wie „The Americans“, die im historischen Gewand als perfekte Seismographen aktueller Globalisierungs- und Terrorängste funktionieren, finden kaum das Publikum, dass sie verdienen.

Baron Noir TV-Debatte

Den Spagat zwischen Drama und kritisch kluger Bestandsaufnahme zu meistern, schaffte „Baron Noir“ quasi aus dem Stand. Kad Merad gibt als Bürgermeister des nordfranzösischen Städtchens Dünkirchen (Philippe Rickwaert) ein Musterbeispiel für einen Karrieristen, der alle Versprechen der politischen Linken zu verraten imstande ist, um es seinem Freund und ihn fallen lassenden Präsidentschaftskandidaten Francis Laugier (Niels Arestrup) heimzuzahlen. „Baron Noir“ ist sich dabei im Gegensatz zum allzu oft etwas plump daher stampfenden „Marseille“ nicht zu schade, Rickwaerts Rachefeldzug bis ins soziale Detail hinein als  angenehm authentische Abrechnung mit der links wie rechts korrumpierten französischen Politelite ernsthaft durchzuexerzieren.

Der perfide Plot treibt das auf die Spitze, was mit all den Skandalen, Terror-Ängsten und Widersprüchen des aktuellen Präsidentschaftswahlkampfs bitterer Ernst ist, doch er verstellt nie den Blick auf das, was sich hier vorzüglich lernen lässt – Politik wird nicht nur in Paris zelebriert, sondern ebenso von der Provinz aus herausgefordert. Wie es Rickwarts anstellt, nicht nur seine eigene Partei zu einem zynischen Spielball verkommen zu lassen, während er sich in bester Volkstribun-Manier für seine Versprechungen bejubeln lässt, gehört trotz einiger Klischees zum klügsten, was die europäische Serie zuletzt hervorgebracht hat. Kurz: Nach „Baron Noir“ versteht man, warum Marine Le Pen und Emmanuel Macron in die Stichwahl ums höchste Amt im Staate gehen durften. Und warum man das in Zukunft verhindern sollte.

Baron Noir Journalisten Partei

„Baron Noir“ läuft aktuell auf Sony Channel jeden Donnerstag um 21:10 Uhr (auch auf Abruf verfügbar). Die erste Staffel erscheint in Deutschland am 26. Mai auf DVD und Blu-ray (STUDIOCANAL).

Autor: Alexander Schlicker

Fotos: STUDIOCANAL / Kwai - Pictanovo

 

 

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