Roots_Remake_KuntaKinte

American History Black

Zum "Roots"-Serienremake auf HISTORY

Als Alex Haley 1976 den Roman „Roots: The Saga of an American Family“ herausbrachte, konnte er nicht unbedingt davon ausgehen, mit der Aufarbeitung seiner eigenen Familiengeschichte bis ins 18. Jahrhundert eines der serienkulturell nachhaltigsten Werke vorzulegen. Denn Haley war schwarz und seine Familie, die über mehrere Generationen in den USA lebte, steht prototypisch für das Erbe der Sklavenhaltung und den bis heute innerhalb der amerikanischen Gesellschaft grassierenden Rassismus.

Seine besondere, bis heute ungebrochene Popularität auch über die Landesgrenzen der USA hinaus, verdankt „Roots“ allerdings weniger dem Roman als vielmehr der bereits kurz nach Erscheinen des Buches ausgestrahlten Serie, die rund 40 Jahre später mit einer Neuauflage bedacht wurde. Dreh- und Angelpunkt markiert analog zum Roman die realistisch ungeschönte Aufarbeitung der Sklaverei am exemplarischen Beispiel einer afroamerikanischen Familiendynastie, die von der Verschleppung aus ihrer Heimat in all ihren Leidens-, aber eben trotz allem auch in ihren Entwicklungsphasen begleitet wird.

Roots_Familiendynastie

Den Anfang macht der ursprünglich aus Afrika stammende und in die neue Welt verkaufte Kunta Kinte. Aufgewachsen in einer Kultur, die ihn zum Krieger und Familienvater bestimmte, gerät er aufgrund einer Intrige in die Fänge britischer Sklavenhändler. In den USA erleidet er wie so viele seiner ehemaligen Stammesgenossen ein unmenschliches Leben inmitten privilegierten Weißer, deren Wohlstand trotz aller ideologisch untermauerten Überheblichkeit perfiderweise genau auf diesem System der Ungleichheit beruht. Die Serie verfolgt allerdings nicht nur Kunta Kintes Weg, sondern zeigt ebenso, wie es seinen Nachkommen in einer sich verändernden Gesellschaft unter anderem bis zur offiziellen Aufhebung der Sklaverei nach Ende des Sezessionskrieges 1865 weiter ergeht.

Doch die Bedeutung des Remakes lässt sich nicht allein mit dessen Plot angemessen honorieren oder einordnen: Zeichnete sich die Originalserie nämlich vor allem durch ihren schonungslosen Blick auf einen bis dato noch nie im amerikanische Fernsehen gesehenen Umgang mit Rassismus aus, fehlt dem 2016 erschienenen Remake naturgemäß dieses Alleinstellungsmerkmal. Im Umfeld von Filmen der letzten Jahre wie Steve McQueens „12 Years a Slave, Nate Parkers Widerstandsdrama „Birth of a Nation“ oder auch der Serie „Underground“, hat es „Roots“ deutlich schwerer, noch als Tabu-Bruch wahrgenommen zu werden.

Roots_Krieg

Gerade daraus entwickelt das Remake eine besondere Stärke, da sie sich bei aller Hochglanz-Optik einer groß budgetierten Produktion nicht davor scheut, mit der enorm drastischen Darstellung der Sklaverei auch heutzutage aufzurütteln und an die Ursprünge immer wieder aufbrechender Rassenunruhen zu erinnern. Aber es ist nicht allein der Mut zur ungeschönten, für das Thema jederzeit stimmig eingesetzten Gewalt, der „Roots“ auch als Remake zu einem wichtigen Serienereignis werden lässt, sondern speziell das zeitgemäße Storytelling. Das schafft es mithilfe eines frischen Looks, den vor allem visuell anachronistischen Erzählstil des Originals weit hinter sich zu lassen und so auch ein jüngeres Publikum zu adressieren, das sich ansonsten kaum auf eine populär kommensurable Art einem so brisanten historischen Thema nähern würde. Damit dies gelang, stand mit Laurence Fishburne, Forest Whitaker, Jonathan Rhys Meyers oder Anna Paquin außerdem eine beeindruckende Riege internationaler Topstars bereit, um den Figuren neben dem herausragenden Kunta Kinte-Darsteller Malachi Kirby einen aktuelleren Anstrich zu verpassen und der Story auch darstellerisch neue Facetten abzugewinnen.

Roots_RhysMeyers

So ist „Roots“ weit mehr als das Remake einer Serie, die damals wie heute in den USA für viel Diskussionsstoff sorgte. Die Neuauflage ist ein Beleg dafür, wie sich ein nie an Aktualität verlierender Stoff in einem frischen Gewand präsentieren kann, um ein wichtiges Thema vor dem Vergessen zu bewahren.

Die deutsche Erstausstrahlung von „Roots" läuft auf History von Freitag, 14.4., bis Ostermontag, 17.4., täglich ab 22.10 Uhr mit jeweils zwei Episoden in Folge.

Text: Alexander Schlicker

Fotos: HISTORY

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